Völlig losgelöst: Was Führungskräfte von Astronauten lernen können

Zwischen Raketengeschwindigkeit und schwerelosem Schweben denken Astronauten vor allem an eins: ihre Mission. Wie sie das schaffen? Astronauten-Trainer Alexander Maria Faßbender erzählt es uns im Interview.

Emotionen trainieren | "Wie kann ich Situationen schnell einordnen und bewerten, um mich selbst zu beruhigen? Wenn ich weiß, ich habe schon eine Krise erlebt, die auf der Skala von 1-10 einer 10 entspricht, weiß ich, dass ich mit einer 6-7 klarkommen kann."
 

Angela Rieger
Marketing & PR
angela.rieger@vrg.de

Alexander Maria Faßbender
First Space Coach®
space-coach-academy.com

Alexander Maria Faßbender ist First Space Coach®, Astronaut Trainer for MentalPsyche und zählt zu den Top 4 der Business Life Coaches weltweit. Der ehemalige Student der Medizin und der Psychologie hat als einer der wenigen in die Psyche der Astronauten blicken dürfen, arbeitet und coacht u.a. weltweit Astronauten und solche, die es werden wollen. Dafür entwickelte er das mit dem Coaching Award 2018 prämierte Konzept Space Coaching®.

Astronautentraining, klingt ziemlich „spacig“! Wie kommt man auf so etwas?

Von meiner Ausbildung her kenne ich Menschen sozusagen inund auswendig. Vor etwa 10 Jahren trafen mein Interesse am Coaching und die Begeisterung für Science Fiction und Raumfahrt zusammen, und daraus entstand schließlich ein ganzes Konzept. Heute trainieren wir mit „echten“ Astronauten, das heißt: Wir bereiten sie mental auf ihre Missionen vor, sind aber auch währenddessen für sie da. Braucht ein Teammitglied Hilfe, kann er wie ET „nach Hause telefonieren“, also mit uns, und wir versuchen gemeinsam, das Problem zu lösen. Hinzu kommen immer mehr „Weltraum-Touristen“ – auch die brauchen jetzt schon Training, weil ein Flug ins All in vielerlei Hinsicht fordert. Und dann in Panik zu verfallen, ist keine gute Idee.

Was ist für Astronauten die größte Herausforderung?

Natürlich müssen Astronauten körperlich fit sein. Aber wenn sie unterwegs sind, zählt für den Einzelnen vor allem die Mission. Das ist echte Arbeit! Die Zeit ist strikt getaktet: Experimente, Essenszeit, Schlafen, Freizeit, alles auf engstem Raum. Jeder Handgriff muss sitzen, denn Fehler sind keine Option: Wir müssen die Fehler auf der Erde machen, da oben ist es zu spät. Außerdem trainieren wir Emotionen: Wie kann ich Situationen schnell einordnen und bewerten, um mich selbst zu beruhigen? Wenn ich weiß, ich habe schon eine Krise erlebt, die auf der Skala von 1-10 einer 10 entspricht, weiß ich, dass ich mit einer 6-7 klarkommen kann. Trainiert werden aber auch Geruch und Geschmack. Einem Kollegen, den man nicht riechen kann, kann man ja nicht einfach aus dem Weg gehen. Wichtig ist, mit einfach allen Sinneseindrücken und Emotionen so gut wie möglich fertig zu werden. Weil sie darin enorm geübt sind, machen Astronauten dann meistens auch einen sehr „gechillten“ Eindruck.

Welche Astronauten-Skills sind noch für den Alltag interessant?

Ein Astronaut lernt, über einen lange Zeitraum Spitzenleistungen abzurufen. Dafür braucht es mentale Stärke, aber auch Motivation. Die kann darin bestehen, sich als Pionier zu sehen, und so gesehen sollte jeder Pionier seines eigenen Lebens sein und seine ganz eigene Motivation finden. Auch der Umgang mit Krisen lässt sich auf den Alltag übertragen, genauso wie das Handling jeglicher Emotionen, ob im Beruf oder privat.

Was können Führungskräfte von Astronauten lernen?

Hinter einer Mission stehen immer Werte, wie in einem Unternehmen auch. Dabei kann es auch Werte geben, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen. Die muss ich aber akzeptieren, um die gesamte Mission nicht zu gefährden. Genauso sollte ich in innerer Balance sein, denn nur so kann ich wirklich Verantwortung für meine „Crew“ übernehmen: Sicherheit und Vertrauen ausstrahlen, achtsam sein, zuhören können, ohne zu bewerten. Das überwältigendste Gefühl, was Astronauten nennen, wenn sie ihre Zeit im All beschreiben, ist übrigens Demut, nicht im religiösen Sinne, sondern in der Wahrnehmung des eigenen Seins. Und die steht auch Führungskräften auf der Erde durchaus gut.

„Astronaut? Kann ich!“

Sie möchten Bewegung in Ihr Leben bringen, zum Beispiel als Astronaut? Dann testen Sie doch mit dem Handbuch von Alexander Maria Faßbender ganz einfach, ob Sie geeignet sind! (oder was Sie schon als Weltraumtourist unbedingt trainieren sollten). Es gibt spannende Einblicke in die Vorbereitungen, in das Leben im All, wo die Schwerelosigkeit schon simple Abläufe wie Essen oder Trinken zum Abenteuer macht, zu den Emotionen während des Flugs und Hinweise auf die wirklich wichtigen - obwohl scheinbar banalen – Dinge.

Alles andere als abgehoben! Mit Agilität gut vorbereitet in Veränderungen.

Ob im Weltraum oder auf der Erde: Auch auf neue Situationen kann man sich vorbereiten. Ein Konzept heißt „Agilität“ - aber warum ist sie gerade heute so gefragt, und wie wird man „agil“? Antworten gibt Top-Coach Susanne Nickel: Sie stellt die wichtigsten Tools und Methoden vor und hat praktische Tipps parat, wie Sie nicht gleich in die Luft gehen, wenn Veränderungen anstehen.

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